Coronavirus – Ausstiegsstrategien

Dr. Roger Highfield, Wissenschaftsdirektor der Science Museum Group, Grossbritannien, skizziert die Wissenschaft der Abschottung und wie die Pandemie beendet werden kann.

Dies ist der fünfte Artikel von Roger Highfield über die Wissenschaft hinter dem Coronavirus, welcher ursprünglich am 20.04.2020 von der Science Museum Group externe Seite veröffentlicht wurde. Sofern verfügbar, wurden Informationen für die Schweiz von focusTerra, ETH Zürich, hinzugefügt und entsprechend gekennzeichnet. Die Übersetzung ins Deutsche erfolgte durch focusTerra.

Wann wird die Pandemie vorbei sein?

Die Bedrohung durch COVID-19 wird so lange andauern, bis in der Bevölkerung genügend Immunität zur Bekämpfung des Virus vorhanden ist; wenn sich die Krankheit externe Seite nicht ausbreiten kann, weil zu wenige anfällige Personen übrig bleiben. Diese externe Seite "Herdenimmunität" wird entweder entstehen, wenn sich genügend Menschen von der Infektion mit dem Virus erholt haben, oder, was wahrscheinlicher ist, wenn ein externe Seite wirksamer Impfstoff zur Verfügung steht (mehr dazu später).

Wann genau ist das der Fall?

Es ist weniger wahrscheinlich, dass es zu einem schnellen Erfolg kommt, sondern eher zu einem langwierigen Guerillakrieg gegen das Virus, mit Wellen von Ausbrüchen und Einschränkungen.

Wir könnten von vielen Monaten, ja sogar Jahren sprechen, was sich jedoch ändern könnte, weil sich das wissenschaftliche Verständnis ständig weiterentwickelt, z.B. in Bezug auf die Zahl der Menschen, die mit COVID-19 infiziert wurden, ohne Symptome zu zeigen, sowie in Bezug auf unsere Mittel zur Eindämmung von Ausbrüchen durch Tests/Isolation.

Einem Computermodell zufolge, das letzte Woche von einem Team unter Beteiligung von externe Seite Stephen Kissler, einem Modellierer für Infektionskrankheiten in Harvard, veröffentlicht wurde, muss die soziale Distanzierung möglicherweise bis ins Jahr 2022 intermittierend aufrechterhalten werden.

Ein sägezahnförmiges Profil von Ausbrüchen und Abriegelungen ist in einem externe Seite Computermodell (siehe Abbildung 5) zu sehen, das Ende Februar/Anfang März von John Edmunds, Nicholas Davies und Kollegen der London School of Hygiene and Tropical Medicine (LSHTM) der (Anmerkung: britischen) Regierung vorgelegt wurde.

Es ist auch in einem externe Seite Computermodell von Mitte März zu sehen (siehe Abbildung 4), das von Neil Ferguson, Christl Donnelly, Steven Riley, Azra Ghani und Kollegen am Imperial College London, bestehend aus dem WHO Collaborating Centre for Infectious Disease Modelling, dem MRC Centre for Global Infectious Disease Analysis und dem Abdul Latif Jameel Institute for Disease and Emergency Analytics, erstellt wurde.

Wer wird den Krieg gegen COVID-19 gewinnen?

Dies wird letztlich von einer Armee von Forschenden, Klinikern, Mathematikern, Ingenieuren, Technologen und externe Seite Technikern abhängen, die sich in einer globalen Anstrengung engagieren, welche es in ihrer Grössenordnung und Fokussierung seit dem externe Seite Apollo-Programm der Mondlandungen nicht mehr gegeben hat.

Wird COVID-19 diesen Sommer nachlassen, wie eine saisonale Infektion?

Wahrscheinlich nicht. Es hat eine Debatte darüber gegeben, inwieweit externe Seite COVID-19 saisonal bedingt ist, aber das LSHTM-Team ist der Ansicht, dass dies angesichts der globalen Ausbreitung des Virus externe Seite kein signifikanter Faktor sein wird.

War ein Lockdown wirklich notwendig?

Ja, das LSHTM-Team informierte die britische Regierung Anfang März darüber, wie nur ein Lockdown die Intensivstationen der Krankenhäuser vor einer externe Seite Überlastung schützen kann.

Ende Februar begann das LSHTM mit der Modellierung einer Reihe von Massnahmen zur Bekämpfung der Pandemie. Am 10. März fuhr das Team damit fort, die Auswirkungen einer Abriegelung zu untersuchen, damals eine unrealistische und drakonische Option.

Regelmässige Abschottungen von jeweils einigen Wochen könnten die Pandemie in Schach halten, so dass der NHS mit der Pandemie fertig werden könnte.

Ihre Arbeit wurde erst von Mark Woolhouse und Kollegen an der Universität Edinburgh externe Seite bestätigt, dann vom Imperial-Team (Anmerkung: Imperial College London), die die Wirksamkeit verschiedener Massnahmen in ganz Europa untersuchte und feststellte, dass die Abschottung bei weitem externe Seite die effizienteste ist.

(Anmerkung: In der Arbeit des Imperial College London werden auch die Auswirkungen der Massnahmen in der Schweiz untersucht und die Resultate externe Seite grafisch dargestellt.)

Am 11. März, dem Tag, an dem externe Seite Italien einen Lockdown anordnete, waren sich diese externe Seite Epidemiologen aus dem Vereinigten Königreich einig, dass ein Lockdown die einzige Option sei, um sicherzustellen, dass der NHS damit fertig wird. Die Abriegelung gibt den Krankenhäusern Zeit, ihre Intensivpflegekapazität zu managen.

externe Seite Spanien ordnete am 14. März einen Lockdown an, externe Seite Frankreich am 17. März, externe Seite Belgien am 18. März, externe Seite Griechenland zusammen mit den externe Seite Niederlanden am 23. März und das externe Seite Vereinigte Königreich am 24. März.

(Anmerkung: Die externe Seite Schweiz ordnete am 20. März einen Lockdown an. Dies entspricht dem Datum, an dem in der Schweiz die externe Seite Ansammlung von mehr als fünf Personen verboten wurde.)

Das Imperial-Team hat geschätzt, dass externe Seite 59'000 Leben gerettet wurden, indem die Sperrung in 11 Ländern bis Ende März aufrechterhalten wurde. Hier ist eine externe Seite Veranschaulichung der Wirkung der Abriegelungsstrategie.

Warum nicht einfach mit dem Lockdown fortfahren?

Die wirtschaftlichen Kosten dieses stumpfen Instruments der Pandemiebekämpfung sind kolossal.

Das externe Seite Amt für Budgetverantwortung hat davor gewarnt, dass die Pandemie die Wirtschaft bis Juni um rekordverdächtige 35% schrumpfen lassen könnte, was den grössten Rückgang seit Menschengedenken darstellt.

Der Internationale Währungsfonds hat den durch die "grosse Abriegelung" verursachten weltweiten Rückgang (Anmerkung: der Wirtschaft) als den externe Seite schlimmsten seit der Grossen Depression der 1930er Jahre bezeichnet.

(Anmerkung: Die Konjunkturforschungsstelle (KOF) der ETH Zürich berechnete bereits im März die möglichen Folgen der COVID-19-Pandemie für die Schweizer Wirtschaft. Anfang April konnten bereits konkretere Szenarien zu den wirtschaftlichen Auswirkungen von März bis Juni 2020 erstellt werden.)

Wann können wir erwägen, den Lockdown aufzuheben?

Das Modell des Imperial College London zeigt, dass wir uns externe Seite in der Nähe des Höhepunkts der Epidemie in Grossbritannien befinden und mit einem Rückgang der Fälle rechnen können, so dass es jetzt an der Zeit ist, über eine Lockerung der Abriegelung nachzudenken.

Bei COVID-19 dauert es in der Regel 20-25 Tage von der Ansteckung bis, in den schwersten Fällen, zum Tod eines Patienten, obwohl diese Zahl zwischen externe Seite 14 und 56 Tagen liegen kann. Da der Lockdown im Vereinigten Königreich am 24. März erfolgte, sind die Auswirkungen des Lockdowns auf die Todesraten erst in den letzten Tagen deutlicher geworden.

Der Generaldirektor der Weltgesundheitsorganisation, Dr. Tedros Adhanom Ghebreyesus, hat externe Seite sechs Kriterien aufgelistet, die von den Ländern vor der Aufhebung der Beschränkungen zu berücksichtigen sind:

  • Die Übertragung von COVID-19 ist unter Kontrolle
  • Die Kapazitäten des Gesundheitssystems sind vorhanden, um jeden Fall zu erkennen, zu testen, zu isolieren und zu behandeln und jeden Kontakt zu verfolgen.
  • Die Ausbruchsrisiken werden in speziellen Einrichtungen wie Gesundheitseinrichtungen und Pflegeheimen minimiert; an Arbeitsplätzen, Schulen und anderen Orten, zu denen die Menschen unbedingt hingehen müssen, gibt es Präventivmassnahmen
  • Importrisiken können beherrscht werden
  • Menschen und Gemeinden sind vollständig darin ausgebildet, engagiert und befähigt, sich an die "neue Norm" des Lebens mit COVID-19 anzupassen

Wenn wir Beschränkungen aufheben, was dann?

Wie wir zum Beispiel externe Seite in Singapur gesehen haben, können wir damit rechnen, dass die Fälle wieder zunehmen werden, aber hoffentlich nicht zu schnell.

Nach externe Seite einem Szenario von Kisslers Team an der Harvard T.H. Chan School of Public Health, Boston, könnte ein Wiederaufleben von SARS-CoV-2 bis ins Jahr 2025 hinein möglich sein:

"Die Gesamtinzidenz der COVID-19-Krankheit in den nächsten fünf Jahren wird entscheidend davon abhängen, ob sie nach der ersten Pandemiewelle in den regulären Kreislauf gelangt oder nicht, was wiederum in erster Linie von der Dauer der Immunität abhängt, die eine SARS-CoV-2-Infektion verleiht."

Werden Tests helfen?

Das ist entscheidend. Wie die Kriterien der Weltgesundheitsorganisation nahelegen, könnte ein massives und genaues Testprogramm dazu beitragen, die weitreichenden Beschränkungen zu lockern, indem es den Behörden ermöglicht, sich darauf zu konzentrieren, Personen mit COVID-19 zu finden; Personen, die nachweislich infiziert sind, zu isolieren; ihre Kontakte während der Inkubationszeit des Virus zurückzuverfolgen und diese Kontakte entweder unter Quarantäne zu stellen oder sie ebenfalls zu testen.

Südkorea zeigte, wie es möglich ist, die Kontakte einer infizierten Person rasch zu verfolgen, indem man ihre Mobiltelefonaktivität mit der anderer Personen im gleichen Gebiet vergleicht.

Wie viel wissen wir über die Immunität der Bevölkerung / des Menschen?

Wir wissen nicht, welcher Anteil der britischen Bevölkerung bereits infiziert ist und wie lange sie noch immun bleiben werden.

Die Computermodellierer sind sich alle einig, dass die Gesamtinzidenz des Virus in den nächsten Jahren entscheidend von der Geschwindigkeit abhängen wird, mit der die Virusimmunität abnimmt – wovon die Forschenden wenig wissen, solange sie nicht mehr Screenings in der Bevölkerung durchführen.

Durch den Nachweis solcher Antikörper mittels sogenannter externe Seite serologischer Tests (bei den externe Seite derzeitigen Tests steht die Suche nach dem genetischen Material des Coronavirus und nicht nach der Antikörperreaktion im Vordergrund), könnten wir herausfinden, wer bereits infiziert ist und wie lange dieser Schutz noch anhält, nachdem wir einige Zeit getestet haben.

Das wäre eine grosse Hilfe für Forschende, die versuchen, die Pandemie zu verstehen, da es divergierende Schätzungen darüber gibt, wie viele Menschen bereits immun sind: Sie reichen externe Seite von der Hälfte, was unwahrscheinlich erscheint, bis zu den externe Seite kleineren Prozentsätzen, die in schwer betroffenen Gebieten wie Norditalien beobachtet werden, wie Neil Ferguson von Imperial College London vor dem externe Seite Sonderausschuss für Wissenschaft und Technologie sagte.

Laut John Edmunds von der LSHTM liegt das Ziel für die Herdenimmunität wahrscheinlich näher bei 60% als 80% (wenn sich das Coronavirus leichter ausbreitet, als die Experten denken, werden mehr Menschen es bekommen müssen, um Herdenimmunität zu erreichen).

Es wären jedoch viele Fälle – und viele Todesfälle – erforderlich, um eine "Herdenimmunität" zu erreichen.

Anthony Costello, Professor für Globale Gesundheit und Nachhaltige Entwicklung am UCL Institute for Global Health, teilte dem externe Seite Health Select Committee mit, dass die derzeitige Infektionswelle in Grossbritannien zu etwa 40'000 Todesfällen führen könnte, wobei 10-15% der Bevölkerung dem Virus ausgesetzt wären, so dass externe Seite "fünf oder sechs Wellen" nötig wären, um eine Herdenimmunität zu erreichen.

Vielleicht könnte der Anteil der Menschen mit Immunität relativ sicher erhöht werden, indem die Einschränkungen für Gruppen mit geringerem Risiko, wie z.B. junge Menschen, gelockert werden.

Sollten wir Zertifikate ausstellen, um nachzuweisen, wer Immunität gegen das Virus hat?

Immunitätszertifikate sind diskutiert worden, aber wir müssen mehr über die Immunität gegen das Virus, die Dauer der Immunität und die Zuverlässigkeit dieser Tests wissen, was vom Regierungsberater Sir John Bell von der Universität Oxford externe Seite in Frage gestellt wurde. Die Herausforderungen bei der Entwicklung und Anwendung von Antikörpertests sind externe Seite unterschätzt worden.

Es gibt allgemeinere Fragen zu bedenken: von Versuchen, Dokumente zu fälschen, bis hin zu Fragen der bürgerlichen Freiheiten. Und wenn nicht infizierte Menschen verzweifelt versuchen, aus der Abriegelung herauszukommen, könnte eine Immunitätsbescheinigung sie motivieren, sich als Weg zur Freiheit zu infizieren.

Vermutlich können wir Einschränkungen schrittweise aufheben?

Das ist richtig. Immerhin wurden externe Seite im Vereinigten Königreich nach und nach – externe Seite vielleicht zu allmählich – Beschränkungen eingeführt, angefangen von der Aufforderung an Menschen mit Symptomen, sich am 12. März selbst zu isolieren, bis hin zur Vermeidung von Pubs, Theatern usw. am 16. März, Schulschliessungen am 21. März und dann eine Abriegelung am 24. März.

(Anmerkung: In der Schweiz wurden die Beschränkungen ebenfalls nach und nach eingeführt: Am 24. Februar wurde die Bevölkerung darum gebeten, externe Seite sich bei Husten- oder Fiebersymptomen selbst zu isolieren; am 28. Februar wurden externe Seite Grossveranstaltungen mit mehr als 1’000 Menschen verboten; am 2. März kommunizierte die Regierung externe Seite verschärfte Hygiene- und Verhaltensregeln; am 13. März folgte schliesslich ein externe Seite Verbot von öffentlichen Veranstaltungen von mehr als 100 Personen sowie die Schliessung von Schulen; am 16. März erklärte die Regierung die externe Seite "ausserordentliche Lage" und verschärfte die Massnahmen, indem alle Läden, Restaurants, Bars sowie Unterhaltungs- und Freizeitbetriebe bis am 19. April geschlossen wurden und Kontrollen an den Grenzen zu den Nachbarländern wieder eingeführt wurden; am 20. März wurde ein vollständiger Lockdown angeordnet, indem die externe Seite Ansammlung von mehr als fünf Personen verboten wurde. )

Eine Schlüsselfrage ist, wie diese Massnahmen so gelockert werden können, dass die Pandemie auf einem "akzeptablen" Hintergrundniveau gehalten werden kann.

Es gibt viele Optionen. Ein Team der Universität Cambridge hat 275 nicht-pharmazeutische Möglichkeiten externe Seite identifiziert, um die Übertragung des Coronavirus zu reduzieren, von Ausgangssperren und Gemeinschaftseinkäufen bis hin zu gestaffelten Arbeitszeiten, der Benutzung von Fahrrädern, um öffentliche Verkehrsmittel zu vermeiden, dem Öffnen von Fenstern in öffentlichen Verkehrsmitteln und der Förderung von Einbahnstrassen um Gebäude und andere Räume herum.

Was können wir von anderen Ländern lernen?

Wir können eine Menge lernen, insbesondere von Ländern, die näher am Epizentrum der Pandemie liegen. Die meisten Regierungen auf der ganzen Welt haben Bildungseinrichtungen vorübergehend geschlossen, und die UNESCO schätzt, dass mehr als 1,5 Milliarden Lernende – über 90% der weltweiten Studierendenpopulation – ans Haus gebunden sind.

Auf dieser externe Seite UNESCO-Website können Sie sehen, wann Schulen auf lokaler und nationaler Ebene geschlossen wurden und wann sie wieder während der Pandemie geöffnet wurden. In Deutschland zum Beispiel können ab dem 4. Mai externe Seite die Schulen wieder öffnen.

(Anmerkung: In der Schweiz sollen die obligatorischen Schulen externe Seite am 11. Mai wieder öffnen. Die Berufs-, Mittel- und Hochschulen sollen am 8. Juni folgen. Weitere Details zur etappenweisen Lockerung der Massnahmen in der Schweiz können der externe Seite Medienmitteilung des Bundesrates vom 16. April entnommen werden.)

Das Bildungswesen verändert sich dadurch, und nicht nur online. In Wuhan in China, dem Epizentrum von COVID-19, haben seit Februar beispielsweise mehr als eine Million Schülerinnen und Schüler der Primar- und Sekundarstufe an "air classes / Luftklassen" teilgenommen.

Die externe Seite Royal Society hat auch externe Seite DELVE: Data Evaluation and Learning for Viral Epidemics ins Leben gerufen, eine Gruppe zur Untersuchung verschiedener Ansätze, die die Länder zur Bewältigung der Pandemie verfolgen. Diese Bemühungen werden durch SAGE, die wissenschaftliche Beratungsgruppe der Regierung für Notfälle, Input liefern.

Was können wir aus der Grippepandemie von 1918 lernen?

Bei dieser verheerenden Pandemie hat sich die soziale Distanzierung in US-Städten zusammen mit der Quarantäne externe Seite als wirksam erwiesen, sagt Laura Spinney, Autorin von externe Seite "1918 – Die Welt im Fieber: Wie die Spanische Grippe die Gesellschaft veränderte".

Als die Grippe zum Beispiel in Island eintraf, verbreitete sich die Nachricht schnell, und eine Kombination von Massnahmen half, mehr als ein Drittel der Bevölkerung frei von Grippe zu halten.

Allerdings wurden auch die Gefahren einer zu schnellen Lockerung dieser Massnahmen deutlich, sagte Spinney:

"Australien führte eine sehr wirksame maritime Quarantäne ein, die die zweite Welle fernhielt. Das Problem war, dass es die Quarantäne zu früh aufhob und die dritte Welle hereinliess, in der 12'000 Australier starben."

(Anmerkung: Wie die Schweiz mit der Spanischen Grippe 1918 und 1919 umging, kann externe Seite in diesem Artikel der NZZ sowie externe Seite in diesem Artikel von SWI nachgelesen werden.)

Welche weiteren Erkenntnisse haben wir über das Ausmass der Pandemie?

Es gibt indirekte Möglichkeiten, das Ausmass der Pandemie zu erfassen, die nicht von Tests abhängen.

externe Seite In einer Arbeit eines amerikanischen Teams wurde festgestellt, dass grippeähnliche Symptome, die nicht durch Grippe verursacht werden, stark zugenommen haben und an Orten, an denen ein Anstieg der COVID-19-Fälle zu verzeichnen ist, auf eine grössere Zahl von Menschen mit leichten bis mittelschweren Symptomen hindeuten.

Mehr als zwei Millionen Menschen haben eine App heruntergeladen – die externe Seite COVID Symptom Tracker-App – im Rahmen des möglicherweise grössten Citizen Science Projekts, das Grossbritannien jemals durchgeführt hat, und das hat gezeigt, wie sich die Rate neuer Symptome, die landesweit gemeldet werden, infolge der Sperrung deutlich verlangsamt hat.

Eine solche Überwachung könnte dazu beitragen, den Bedarf an aktiven Tests zu verringern, indem zum Beispiel Hot Spots aufgedeckt werden, auf die sich aktive Tests konzentrieren sollten.

(Anmerkung: Für die Schweiz wurde eine externe Seite COVID-19-Tracking-Plattform eingerichtet. Auf dieser Webseite sollen Schweizer Bürgerinnen und Bürger ihren Gesundheitsstatus eintragen, egal ob sie Symptome einer COVID-19-Erkrankung zeigen oder nicht, damit Verdachtsfälle (und allfällige Häufungen) möglichst früh identifiziert werden können. In der Schweiz werden auch noch andere Mittel, die der Ausbreitung des Virus entgegenwirken können, entwickelt. Ein Forschungsteam ist es gelungen, externe Seite einen Sensor zu bauen, der die Konzentration von COVID-19- Viren in der Luft messen kann. Allerdings ist der Sensor noch zu wenig weit entwickelt, um beispielsweise an öffentlichen Plätzen installiert zu werden.)

Werden Medikamente dazu beitragen, die Krise zu beenden?

Sie werden mit Sicherheit helfen. Neue Behandlungsmethoden könnten die Notwendigkeit einer strikten sozialen Distanzierung mildern, obwohl, grob gesagt, die meisten Medikamente bei nicht mehr als etwa 50% der Bevölkerung wirken (die meisten gängigen Medikamente haben nur eine externe Seite geringe bis mittlere Wirkung).

Wenn ein Medikament jedoch das Risiko eines Krankenhausaufenthalts oder einer Beatmung verringern kann, würde dies viele Leben retten.

Wie sieht es mit Gesichtsmasken aus?

Die Wissenschaft sagt ja, externe Seite so Prof. Trisha Greenhalgh von der Oxford Universität.

Hier geht es mehr darum, andere als sich selbst zu schützen, obwohl die externe Seite Beweise aus randomisierten, kontrollierten "Goldstandard"-Studien nicht besonders überzeugend sind.

Patienten mit COVID-19 können externe Seite laut Eric Lau von der Universität Hongkong und Kollegen das Virus zwei oder drei Tage vor den ersten Symptomen ausscheiden, während das Team des Zentrums für Mathematische Modellierung von Infektionskrankheiten (externe Seite CMMID) am LSHTM externe Seite anhand von Daten aus Shenzen, China, schätzte, dass 23% der Übertragungen von Menschen stammten, die keine Symptome entwickelt hatten.

Fazit: Wie Prof. Greenhalgh sagt, können Gesichtsmasken durchaus dazu beitragen, die Pandemie einzudämmen, auch wenn hausgemachte Masken vorzuziehen sind – externe Seite idealerweise etwas raffinierter als ein einfacher Schal oder ein Kopftuch – um die Versorgung mit Masken medizinischer Qualität, die von den Beschäftigten im Gesundheitswesen benötigt werden, nicht zu gefährden. Sie müssen auch externe Seite richtig verwendet werden.

(Anmerkung: Zurzeit externe Seite empfiehlt die Schweizer Regierung, mit Schutzmaterial wie Masken, Brillen, Überschürzen und Handschuhen generell sorgsam umzugehen. Das Wichtigste ist, dass genügend Schutzmaterial vorhanden ist, um für Gesundheitsfachpersonen, die Infizierte behandeln, sowie für besonders gefährdete Personen eingesetzt zu werden.)

Wie schnell können wir einen Impfstoff bekommen?

Das verlässlichste Endspiel – wie in einem früheren Blog-Beitrag in dieser Serie dargelegt – ist die Unterdrückung der Pandemie durch Tests/Isolation, soziale Distanzierung und Abriegelung, bis ein wirksamer Impfstoff verteilt werden kann.

Rund 140 COVID-19-Impfstoffe befinden sich weltweit in der Entwicklung, so Sarah Gilbert von der Oxford Universität heute Morgen beim BBC Breakfast (schalten Sie externe Seite hier um 1:14:38 ein), deren Team Ende dieser Woche mit einer Impfstoffstudie beginnt.

Im Rahmen der globalen Bemühungen haben sich auch GlaxoSmithKline und Sanofi externe Seite zusammengetan, die zusammen über die weltweit grössten Kapazitäten zur Herstellung von Impfstoffen verfügen.

Diese Bemühungen verlaufen jedoch im Blindflug in dem Sinne, dass sie nicht genug über die optimale Immunantwort zum Schutz gegen das COVID-19-Virus, SARS-CoV-2, wissen.

Sie brauchen eine Dosis Glück: Ich sprach mit einem Forscher, der sich vor mehr als drei Jahrzehnten, externe Seite 1987, einen experimentellen Aids-Impfstoff injizierte, und wir externe Seite haben immer noch keinen wirksamen Impfstoff zur Bekämpfung des menschlichen Immunschwächevirus (glücklicherweise ist Aids heute dank der Medikamente eine beherrschbare chronische Krankheit).

Dennoch gibt es Optimismus, dass die Entwicklung eines Impfstoffs gegen COVID-19 nur ein Jahr bis 18 Monate dauern könnte.

Ende dieser Woche beginnt ein Team an der Oxford Universität mit der Erprobung eines Impfstoffs – externe Seite ChAdOx1 – auf der Grundlage einer sicheren Version eines Adenovirus, von dem man hofft, dass es eine länger anhaltende Immunität als das Coronavirus erzeugen wird.

Das Oxford-Team unter der Leitung von Sarah Gilbert, Andrew Pollard, Teresa Lambe, Sandy Douglas und Adrian Hill hat aus fünf Jahren Arbeit vier Monate gemacht und das Adenovirus so modifiziert, dass es das "Spike"-Protein herstellt, mit dem dieses Coronavirus in menschliche Zellen eindringt.

Gilbert rechnet damit, dass bis Mitte Mai 500 Freiwillige geimpft werden, und wenn alles nach Plan verläuft, könnte ihr externe Seite COVID-19-Impfstoff bis zum Herbst fertig sein. (NB, selbst wenn er funktioniert, gibt es noch grosse Fragen zur Ausweitung der Herstellung des Impfstoffs, und das Vereinigte Königreich hat nicht die Kapazität, dies zu tun).

Sie ist zuversichtlich, weil ihr Team an einem Impfstoff gegen ein anderes Coronavirus, das externe Seite Respiratorische Syndrom des Nahen Ostens (MERS), gearbeitet hat.

"Präklinische Daten zu mehreren Impfstoffen gegen das Coronavirus des Respiratorischen Syndroms des Nahen Ostens zeigen, dass sie in Tiermodellen funktionieren. Dazu gehört auch die Tatsache, dass nach der Impfung induzierte Antikörper ein breites Spektrum von Coronavirusstämmen des MERS externe Seite neutralisieren können, die in verschiedenen Ländern zu unterschiedlichen Zeiten isoliert wurden. Die Aussichten sind also sehr gut, einen Impfstoff gegen SARS-CoV-2 herstellen zu können."

Ein weiterer Grund, warum Gilbert zuversichtlich ist, ist, dass es zugelassene Tierimpfstoffe gegen Coronaviren gibt.

Mike Francis vom externe Seite UK Vaccine Network, der erfolgreiche kommerzielle Impfstoffe gegen das bovine Coronavirus, das canine enterische Coronavirus und das Virus der aviären infektiösen Bronchitis entwickelt hat, sagte, der Rinderimpfstoff – Rotavec Corona – gebe externe Seite wichtige Einblicke in den Immunschutz, der an Kälber weitergegeben wird – "in diesem speziellen Fall ist die Art des Schutzes sehr klar."

"Ich bin vorsichtig optimistisch", sagte Francis und bezog sich dabei auf Oxfords ChAdOx1-Impfstoff gegen COVID-19.

"Ich habe einen Vorbehalt bezüglich der Sicherheit", sagte er und bezog sich dabei auf Versuche, einen Impfstoff gegen das Katzen-Coronavirus, die infektiöse Katzen-Peritonitis, zu entwickeln, bei denen es Probleme mit der antikörperabhängigen Verstärkung gab, dies ist, wenn der Impfstoff es dem Virus erleichtert, Tiere zu infizieren, die den Coronavirus-Impfstoff erhalten haben.

Er fügte hinzu, dass sich AIDS aufgrund der spezifischen Merkmale des menschlichen Immunschwächevirus als ein herausforderndes Ziel für die Impfstoffherstellung erwiesen hat, und zwar aufgrund der Art und Weise, wie das Virus seinen genetischen Code in den menschlichen Wirt integriert, der Variabilität der Proteine der Virushülle und der Art und Weise, wie es gegen menschliche Immunsystemzellen vorgeht.

Sir Patrick Vallance, wissenschaftlicher Hauptberater der Regierung, sagte:

"Das Vereinigte Königreich kann auf eine stolze Geschichte in der Impfstoffforschung zurückblicken. Es war ein Engländer, externe Seite Edward Jenner, der vor über 200 Jahren auf diesem Gebiet Pionierarbeit leistete. Zwei Jahrhunderte später wird die wissenschaftliche Gemeinschaft unermüdlich daran arbeiten, ein Medikament oder einen Impfstoff gegen Covid-19 zu finden, und wir müssen sie bei jedem Schritt auf diesem Weg unterstützen."

Den vollständigen Kommentar können Sie externe Seite hier lesen.

(Anmerkung: Auch in der Schweiz forschen mehrere medizinische Institute an einem Coronavirus-Impfstoff (siehe Information dazu externe Seite in diesem Beitrag von SRF). Die ETH Zürich beteiligt sich ebenfalls an der Suche nach Wirk- und Impfstoffen gegen das COVID-19-Virus.)

Erfasst die offizielle Zahl der Todesopfer die Todesfälle im Zusammenhang mit COVID-19 genau?

David Spiegelhalter, Vorsitzender des Winton Centre for Risk and Evidence Communication an der Universität Cambridge, ist der Ansicht, dass die Zahl der Todesopfer wahrscheinlich unterschätzt wird.

Abgesehen von Verzögerungen bei der Meldung von den Personen, die starben, bevor sie getestet werden konnten, ist die externe Seite offizielle Gesamtzahl, die auf den Todesfällen in NHS-Krankenhäusern basiert (Anmerkung: NHS: britischer Nationaler Gesundheitsdienst), kleiner als die vom Office of National Statistics ausgewiesene externe Seite Zahl: Die Todesfälle im Zusammenhang mit COVID-19 mit einem Todesdatum bis zum 3. April sind 15% höher als die Zahlen des NHS, da sie alle Erwähnungen von COVID-19 auf den Totenscheinen einschliessen, einschliesslich der vermuteten COVID-19, sowie die Todesfälle in den Gemeinden und in Pflegeheimen.

Die ONS-Statistiken zeigen jedoch einen massiven Anstieg der Todesfälle ohne COVID am 3. April, und Sir David fragt sich, ob die Ärzte bei der Angabe von COVID-19 auf dem Totenschein ohne Prüfung vorsichtig sind – möglicherweise haben wir immer noch ein unvollständiges Bild von der Zahl der Todesopfer.

Die Meldungen der Regierung haben sich auf Todesfälle in Krankenhäusern konzentriert, nicht zuletzt deshalb, weil die Aufzeichnungen über bestätigte Fälle von der Qualität des Testregimes abhängen – das lückenhaft ist und dessen Einführung länger gedauert hat als ursprünglich angenommen. Darüber hinaus zeigen einige COVID-Träger keine Symptome und wären daher nicht getestet worden.

Andere komplexe Fragen verwirren die Diskussion über die Todesraten: Wie viele der an COVID-19 Verstorbenen wären wahrscheinlich ohnehin an anderen zugrunde liegenden Krnakheiten gestorben, und was sind die "Kollateralschäden", die durch die Pandemie verursacht werden, z.B. wenn schwerkranke Menschen – wie diejenigen, die Schlaganfälle und Herzinfarkte erlitten haben – weniger geneigt sind, ins Krankenhaus zu gehen, und die Belastung für Patienten mit anderen schweren Krankheiten, da Tests, Behandlungen und Operationen verzögert oder abgesagt werden.

Wie ist der allgemeine Stand der Pandemie?

Das externe Seite Johns Hopkins Coronavirus Resource Center informiert Sie darüber, wie weit sich die Pandemie weltweit ausgebreitet hat, Sie können den Stand der Pandemie in Europa anhand externe Seite dieser Daten und der Prognosen des Imperial College London vergleichen, die von der Symptomtracker-App identifizierten externe Seite Hotspots im Vereinigten Königreich einsehen und die Zahl der COVID-19-Fälle im Vereinigten Königreich anhand der externe Seite Daten von Public Health England überprüfen.

(Anmerkung: Die momentane Anzahl der Coronavirus-Fälle in der Schweiz kann auf der externe Seite Webseite des Bundesamts für Gesundheit abgerufen werden.)

Weitere Informationen finden Sie in meinen früheren Blog-Einträgen, vom externe Seite UKRI, auf diesem externe Seite COVID-19-Portal und in externe Seite Our World in Data.
 

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