Ein revolutionärer Impfstoff

Im weltweiten Wettlauf um die Eindämmung der Pandemie testen Forschende eine neue Art von Impfstoff. Dr. Roger Highfield, Wissenschaftsdirektor der Science Museum Group, Grossbritannien, spricht mit Schlüsselfiguren im "David-und-Goliath"-Rennen um einen "RNA-Impfstoff" gegen COVID-19.

Dies ist der 17. Artikel von Roger Highfield über die Wissenschaft hinter dem Coronavirus, welcher ursprünglich am 13.07.2020 veröffentlicht wurde. Sofern verfügbar, wurden Informationen für die Schweiz von focusTerra, ETH Zürich, hinzugefügt und entsprechend gekennzeichnet. Die Übersetzung ins Deutsche erfolgte durch focusTerra.

Ein Schutzimpfstoff ist der effektivste Weg, die Pandemie zu beenden, und von den externe Seite 160 weltweit in Entwicklung befindlichen Impfstoffen wird eine neue Art in Grossbritannien, Deutschland, China und den Vereinigten Staaten erprobt.

Bekannt als ein RNA-Impfstoff, wandelt er die Zellen im Körper in Impfstofffabriken um und kann, sobald seine Wirksamkeit nachgewiesen ist, schnell und in grossen Mengen hergestellt werden.

Ein RNA-Impfstoff wird derzeit von externe Seite Robin Shattock vom Imperial College London getestet. Er wird mit 41 Millionen Pfund von der britischen Regierung, insbesondere vom externe Seite UKRI-Medical Research Council, und mit weiteren 5 Millionen Pfund in Form von philanthropischen Spenden unterstützt.

externe Seite Tal Zaks ist der Chief Medical Officer des US-Unternehmens externe Seite Moderna und sein RNA-Impfstoffkandidat wird mit 483 Millionen US-Dollar von der US-amerikanischen externe Seite Biomedical Advanced Research and Development Authority (BARDA) sowie mit Milliarden von Investitionen unterstützt, mit mehr als 1 Milliarde US-Dollar an privatem Kapital in diesem Jahr allein.

Moderna, das sich auf die Entwicklung von Therapien auf der Basis von Boten-RNA spezialisiert hat, war externe Seite das erste Unternehmen, das einen Impfstoff gegen SARS-CoV-2 am Menschen testete, als es externe Seite im März einen Versuch startete.

Ihre Antworten, die sich durch RS (Robin Shattock) und TZ (Tal Zaks) auszeichnen, sind unten kursiv gedruckt.

Wie zuversichtlich sind Sie, dass einer der 160 Impfstoffe wirken wird?

RS: Obwohl die Erfolgsraten von Impfstoffen in der klinischen Erprobungsphase tendenziell bei etwa 10 Prozent liegen, bin ich optimistisch, dass mehrere wirksame Impfstoffe entstehen werden.

Ich habe externe Seite dem Ausschuss für Wissenschaft und Technologie des britischen Oberhauses gesagt, dass die Chance hoch ist, einen wirksamen Impfstoff zu finden.

Aber es geht nicht nur darum, eine erste Impfwelle rasch zu ermöglichen – wir brauchen auch Strategien zur Aufrechterhaltung der Immunität, zum Beispiel mit einer Auffrischimpfung, falls dies erforderlich sein sollte.

Was ist RNA?

Lebewesen enthalten die genetische Information, welche die Anweisungen zur Herstellung von Proteinbausteinen von Zellen enthält, in Form von langkettigen Chemikalien RNA und DNA (Ribonukleinsäure bzw. Desoxyribonukleinsäure).

externe Seite Vor dreissig Jahren wurde gezeigt, dass die direkte Injektion von Nukleinsäuren (RNA oder DNA) in die Muskeln von Mäusen dazu führte, dass diese die von der injizierten Nukleinsäure kodierten Proteine herstellten.

Im Fall von RNA verwenden molekulare Maschinen, Ribosome genannt, die RNA, um Gene in Fleisch und Blut zu verwandeln: Ein sogenanntes Boten-RNA-Molekül trägt die Anweisungen zur Herstellung eines Proteins aus dem in Form von DNA vorliegenden genetischen Informationen in einer Zelle.

Um den Code der Boten-RNA in ein Protein umzuwandeln, nutzt das Ribosom eine zweite Art von RNA – Transfer-RNA –, welche die Bausteine der Proteine, Aminosäuren genannt, trägt, um ein Protein zusammenzubauen.

Was ist ein RNA-Impfstoff?

Viele traditionelle Impfstoffe basieren auf einer abgeschwächten oder modifizierten Form des Virus oder Teilen davon, aber die Impfstoffe von Imperial und Moderna basieren auf synthetischen Strängen des genetischen Codes (RNA), wobei ein Teil des genetischen Materials des Virus verwendet wird.

TZ: Im Gegensatz zu anderen Impfstoffen bringt unser Impfstoff den körpereigenen Zellen bei, das kleine Stück des Virus herzustellen, das das Immunsystem des Körpers erkennen muss.

Wenn Sie auf der Strasse entlang gehen und jemand mit COVID-19 Sie anniest, sagt Ihr Immunsystem: «Nun, warte mal eine Sekunde. Das habe ich schon mal gesehen», und es kann eine Immunreaktion auslösen, damit Sie nicht krank werden.

Bei Moderna fangen wir nicht mit dem Virus an und versuchen, inaktivierte oder abgeschwächte Versionen davon herzustellen, sondern nehmen stattdessen einfach die genetische Information, die den Teil des Virus kodiert, den das Immunsystem sieht, nämlich das Spike-Protein, die sich auf der Oberfläche des Virus befindet.

Wir nehmen im Grunde genommen nur diese Information und kodieren sie in einer vorübergehenden Form so, dass körpereigene Zellen sie herstellen können. Also haben wir diese Information – in Form des genetischen Codes RNA – in den Muskel injiziert, und dann gelangt sie in Ihr Immunsystem, wo die Zellen des Immunsystems sie aufnehmen und mit der Herstellung dieses Proteins beginnen.

Und während sie es herstellen, sehen sie es sich irgendwie an und sagen: "Moment mal, dieses Ding habe ich noch nie zuvor gesehen."

Das kurbelt das Immunsystem an, und Sie beginnen, Antikörper zu bilden, also Proteine, die sich an fremde Teile von Mikroben und Viren, die dort nicht hingehören, anlagern und sie blockieren. Auf diese Weise können wir das Immunsystem auf eine ganz spezifisch trainieren.

RS: Bei Imperial verwenden wir für unseren genetischen Impfstoff auch den Code für das Spike-Protein an der Oberfläche, das dem Virus sein kronenartiges Aussehen ("corona" ist lateinisch für Krone) verleiht, nach dem es benannt ist.

Da ist nichts vom Virus drin, nur der genetische RNA-Code für einen Teil des Virus. Die RNA geht in Fetttröpfchen, wird in die Muskeln injiziert, wo sie sie anweist, das Spike-Protein herzustellen, was, wie wir hoffen, das Immunsystem austrickst, sodass es glaubt, das ganze Virus gesehen zu haben.

Wie lange arbeiten Sie schon an einem RNA-Impfstoff?

TZ: Wir begannen mit der klinischen Forschung vor etwas mehr als fünf Jahren, auch gegen eine pandemische Bedrohung, einen Grippestamm, von dem man damals befürchtete, dass er aus China kommen würde. In den vergangenen fünf Jahren haben wir die Forschung verbessert und auf weitere Impfstoffe angewandt.

Wir waren recht erfolgreich dabei, das Immunsystem so anzukurbeln, dass es verschiedene Teile unterschiedlicher Krankheitserreger erkennt.

Bis Ende letzten Jahres war der am weitesten fortgeschrittene Impfstoff gegen das externe Seite Zytomegalievirus, eine Infektion, die Frauen manchmal schon vor der Geburt auf ihre Babys übertragen, was die häufigste Ursache für neurologische Geburtsfehler ist.

Wie sieht es mit dem Pandemie-Impfstoff von Moderna aus?

TZ: Wir hatten am 29. September letzten Jahres ein Treffen mit externe Seite Tony Fauci (dem bekanntesten Mitglied der Coronavirus-Taskforce der Trump Administration im Weissen Haus), um darüber zu sprechen, was ein Vorzeigeprojekt für diese Technologie sein könnte, bei dem wir ein zufällig ausgewähltes Virus nehmen, die Stoppuhr starten und sehen, wie schnell man zu einem Impfstoff kommen kann.

Und siehe da, im Dezember begannen wir, von diesem neuen Atemwegsvirus zu hören und im Januar war die genetische Sequenz des Virus bekannt, und wir sagten: "Das ist keine Übung. Das ist ein echtes Feuer."

Wir haben diesen Impfstoff in Zusammenarbeit mit den US-amerikanischen National Institutes of Health in die Klinik gebracht.

Wir haben bereits in Phase eins, der ersten Erprobung unseres COVID-RNA-Impfstoffs am Menschen, gezeigt, dass wir sehr hohe Konzentrationen dieser blockierenden oder neutralisierenden Antikörper erreichen. Wir glauben also, dass wir dem Körper den richtigen Teil des Krankheitserregers zeigen, um eine Immunreaktion auszulösen.

Wir sind auf dem besten Weg, noch in diesem Monat eine sehr umfangreiche Studie (Phase drei) zu beginnen, die zeigen soll, ob wir nicht nur eine Immunreaktion hervorrufen, sondern auch die Krankheit verhindern können.

Wie lange hat Imperial gebraucht, um seinen RNA-Impfstoff herzustellen?

RS: externe Seite Im Jahr 2018, bei einer externe Seite Präsentation am Weltwirtschaftsforum, habe ich gesagt, dass es eine weitere Pandemie geben wird.

Wir brauchen eine Technologie, die schnell reagieren kann, und unsere selbstverstärkende RNA-Technologie ist eine Möglichkeit, dies zu erreichen. Damals hatten wir mit der Vogelgrippe gerechnet, aber es stellte sich heraus, dass es sich um das Coronavirus handelt.

Wir luden die Sequenz des Coronavirus herunter, als sie im Januar von chinesischen Forschenden herausgegeben wurde, und erstellten in zwei Wochen eine Vorlage für unseren auf RNA basierenden Impfstoff. Der normale Zyklus für die Entwicklung eines Impfstoffs beträgt zwei Jahre.

Wie zuversichtlich sind Sie, dass die RNA-Impfstoffe wirken werden?

RS: Was wir tun, ist sowohl auf dem neuesten Stand der Technik als auch einfach.

Ich bin vorsichtig optimistisch, dass dieser Ansatz so gut funktionieren wird wie alles andere, das entwickelt wird, weil er in Tiermodellen gute Immunreaktionen hervorruft.

Wir sagen voraus, dass es beim Menschen genauso sein wird, und dass es sehr sicher sein wird, weil wir so niedrige Dosen verwenden.

Was wir nicht wissen, ist, welcher Grad an Immunität erforderlich ist, um eine Infektion mit SARS-CoV-2 zu verhindern.

Wenn alles gut geht, sind wir zuversichtlich, dass bereits im Frühjahr 2021 ein brauchbarer Impfstoff zur Verfügung stehen könnte.

Sind Sie sicher, dass das Spike-Protein das beste Ziel für den Impfstoff ist?

TZ: Wir sind so zuversichtlich, wie es uns die Wissenschaft erlaubt, ohne dies mit einer Phase-Drei-Studie bewiesen zu haben.

SARS-CoV-2 hat enge Verwandte, SARS und MERS. Sie alle haben eine Form dieses membranartigen Spike-Proteins, welches den Haken darstellt, mit dem sich die Viren an menschliche Zellen anheften. Wenn man die Aufmerksamkeit des Immunsystems auf diesen Haken lenken und den Haken blockieren kann, dann liegt es nahe, dass sich das Virus nicht an Zellen anheften kann.

Wir haben die Fähigkeit von auf das Spike-Protein abzielenden Impfstoffen externe Seite SARS und MERS zu blockieren, in Tierversuchen bis hinauf zu Kamelen und nichtmenschlichen Primaten untersucht.

Einige dieser anderen Viren haben gezeigt, dass man tatsächlich allein mit einer Immunität gegen das Spike-Protein die Infektion und Krankheit dieser Cousins von SARS verhindern kann.

Wenn man diese neutralisierenden Antikörper gegen das Spike-Protein erzeugen kann, kann man die Infektion und in einigen Fällen auch die Krankheit in diesen Tiere verhindern – es ist das Beste, was wir haben, bis wir beim Menschen schlüssig zeigen können, dass eine Impfung mit diesem Impfstoff tatsächlich die Krankheit verhindert.

Was sind die Vorteile von RNA-Impfstoffen?

Sie bieten externe Seite eine Möglichkeit, einen Impfstoff mit Pandemie-Geschwindigkeit herzustellen – alles, was benötigt wird, ist die genetische Sequenz des Virus, das die Pandemie verursacht.

RS: Diese Technologie ist enorm, weil man relativ schnell so viel herstellen kann. Unsere selbstverstärkende RNA-Technologie bedeutet, dass eine grosse Menge an Impfstoffdosen in Anlagen mit kleiner Produktionsfläche hergestellt werden kann.

In einem Volumen von einem Liter können wir zwei Millionen Dosen eines Impfstoffs herstellen. Um die gleiche Menge mit einem konventionellen Ansatz herzustellen, benötigen Sie möglicherweise 10’000 Liter.

Sie können in grossem Massstab kostengünstig und in Massenproduktion hergestellt werden. Wir brauchen in erster Linie eine Kühlkette – wahrscheinlich 2-8 °C.

Später bringen wir vielleicht eine gefriergetrocknete Rezeptur auf den Markt, die bei Raumtemperatur gelagert werden kann und keine ununterbrochene Kühllagerung erfordert – diese Kühlkette macht es schwierig, Impfstoffe in armen Ländern und ländlichen Gebieten mit unzuverlässiger Kühlung zu verteilen.

TZ: Was das Hochskalieren betrifft, haben wir vor Monaten begonnen. Jetzt besteht die Herausforderung darin, dass es sich um eine neuartige Technologie handelt, die noch nie zuvor auf dieses Niveau hochskaliert wurde. Wir sind zuversichtlich, dass wir aus den gleichen grundlegenden technischen Gründen, die uns so schnell anfangen liessen, auch in der Lage sein sollten, schnell hoch zu skalieren.

Wir rechnen damit, etwa 100 Millionen Dosen bis Ende dieses Jahres zu haben und bis zu einer Milliarde im Jahr 2021. Nicht genug, um dem gesamten Planeten zu beliefern, aber sicherlich einen beträchtlichen Anteil.

Warum müssen Sie Ihren RNA-Impfstoff in Fettpartikel einbinden?

RS: Die Hauptursache für die Zerstörung von RNA im Körper sind Enzyme, sogenannte RNasen, die sie einfach "zerkauen". Und sie sind überall, in der Haut, im Speichel, was auch immer, weil Sie nicht wollen, dass fremde RNA herumhängt. Wenn Sie also diese Enzyme ausschliessen, ist Ihre RNA viel stabiler.

Wir nennen sie Fetttröpfchen, damit die Leute es verstehen, aber in Wirklichkeit ist er (Anmerkung: der Impfstoff) in einer speziellen Struktur, einem sogenannten Lipid-Nanopartikel, geschützt, das einige Milliardstel Meter gross ist, ähnlich dem Coronavirus-Partikel.

(Früher bestand grosses Interesse an der Verwendung von Fettpartikeln, die als Liposome bezeichnet werden und vor allem von externe Seite Alec Bangham entwickelt wurden und Medikamente durch die Fettmembran von Zellen transportieren können, und man kann sich diese Lipid-Nanopartikel wie ein Liposom mit einem Beutel kleiner Liposomen vorstellen, die die RNA enthalten.)

Wir injizieren diese Lipid-Nanopartikel in Muskelzellen, wo sie beginnen, das Spike-Protein herzustellen. Die RNA gelangt wahrscheinlich auch in Immunzellen, die vom Muskel angezogen werden.

TZ: Denken Sie aus einer evolutionären Perspektive darüber nach.

Die RNA ist im Grunde genommen eine der Zelle fremde Anweisungsvorlage, die in sie eindringt, um ihr zu sagen, welches Protein sie herstellen soll. Es gibt nichts Beängstigerendes für einen Einzeller oder Mehrzeller wie Sie und ich als ein fremdes Stück Boten-RNA, das versucht, Ihrem Körper zu sagen, was er tun soll.

Bei der Evolution entstanden sowohl in der Grössenordnung einer Einzelzelle als auch in der Grössenordnung eines Organismus unzählige Mechanismen, um dem entgegenzuwirken. In den ersten Jahren unserer Forschung mussten wir Methoden entwickeln, um dies zu überwinden.

Was wir tun, ist, dieses Lipid-Nanopartikel so um die RNA herum zu konstruieren, dass es im Körper tatsächlich wie ein kleiner Fetttropfen aussieht und keine Immunreaktion auslöst, um es als fremd zu blockieren, bevor es überhaupt in die Zelle gelangt.

Wenn man das Partikel in den Muskel einbringt, fliesst es mehr oder weniger mit der Lymphdrainage, dem System, das unserem Immunsystem fremde Stoffe präsentiert.

Sobald es in die Immunzellen des Körpers gelangt, entweicht die RNA aus dem Lipid-Nanopartikel und sieht, da wir die RNA auf eine bestimmte Art und Weise erzeugen, wenn sie einmal in der Zelle ist nicht mehr fremd aus, und molekulare Maschinen – Ribosome – verwandeln dort diese RNA in ein Protein, in diesem Fall in ein Spike-Protein von COVID-19.  

Wie stellen Sie sicher, dass Ihre RNA-Anweisungen von einer Zelle akzeptiert werden?

TZ: SARS-CoV-2 ist beispielsweise ein RNA-Virus.

Eines der Dinge, die wir im Laufe der Zeit gelernt haben, ist, dass, wenn ein fremdes Virus eindringt und versucht eine Zelle zu übernehmen, die Zelle – sofern das Virus die zelleigenen Bausteine verwendet – in der Lage ist zu erkennen, ob einer dieser Bausteine am falschen Ort ist. Das wiederum löst eine dieser angeborenen Immunreaktionen aus, um den Eindringling zu bekämpfen.

Um diese angeborene Reaktion zu verhindern, setzen wir eine kleine natürlich vorkommende Modifikation an diesem Baustein an und erzeugen die Boten-RNA auf eine ganz bestimmte Weise, sodass das evolutionäre Sinnessystem blockiert wird. Es sieht es daher nicht als fremd an und die Zelle kann so die Anweisungen ausführen.

Es hat eine Weile gedauert, bis wir verstanden haben, wie kritisch diese Schritte sind, um eine wirksame Menge an Protein zu erzeugen. Als wir das geschafft hatten, konnten wir immer wieder zeigen, dass wir tatsächlich erfolgreich darin sind, Impfstoffe zu erzeugen.

Die Lebensdauer für die RNA im Impfstoff beträgt 24 bis 48 Stunden, danach wird die RNA abgebaut und wie Zellnahrung aussieht. Ein Boten-RNA-Molekül macht Tausende von Proteinkopien, bevor es abgebaut wird.

Das von ihm hergestellte Protein kann ein wenig verweilen, um eine Immunreaktion zu erzeugen.

Was ist anders in der Arbeit von Imperial?

RS: Wie Tal Zaks sagt, wird RNA, wenn sie in Zellen eindringt, oft als fremd angesehen, und löst aus, was wir eine angeborene Reaktion nennen, die ein Signalprotein namens Interferon beinhaltet.

Diese angeborene Immunreaktion ist der Grund dafür, dass man sich kalt und fröstelig fühlt, wenn man an Grippe oder COVID-19 erkrankt ist.

Moderna hat ihre RNA modifiziert, um diese Reaktion zu verringern. Aber im Vergleich zu uns verwenden sie ziemlich viel RNA.

Wir überwinden diese angeborene Reaktion, indem wir eine RNA-Dosis verwenden, die 100 Mal niedriger ist als ihre Dosis, nicht genug, um bei einem Individuum Unwohlsein zu verursachen, sondern in der goldenen Mitte. Gerade genug, um das Immunsystem dazu zu bringen, zu sagen: «Oh, da geht etwas im Muskel vor», und die Immunreaktion auszulösen, die, wie wir hoffen, vor dem Coronavirus schützen wird.

Um eine viel geringere Dosis verwenden zu können, amplifizieren wir unseren RNA-Impfstoff mit Enzymen des Venezolanischen Pferdeenzephalomyelitis-Virus. Diese Polymerase-Enzyme kopieren die RNA, ähnlich wie bei einem Fotokopierer, um mehrere Kopien der ursprünglichen, eingedrungenen Kopie herzustellen.

Gleichzeitig kopieren sie die RNA des Impfstoff-Ziels, also des Spike-Proteins.

Wo steht der Impfstoff von Imperial in Bezug auf die Testphasen?

Der Impfstoff von Imperial wurde vorklinischen Sicherheitstests unterzogen, und in Tierversuchen hat er sich als sicher erwiesen und ermutigende Anzeichen einer wirksamen Immunreaktion hervorgebracht.

Am 23. Juni verabreichte das Imperial-Team die erste Dosis eines selbstverstärkenden RNA-Impfstoffs an einen Freiwilligen, auf die innerhalb von vier Wochen eine zweite Auffrischungsdosis folgen soll. In dieser Studie versucht das Team, die Sicherheit zu beurteilen und die optimale Impfstoffdosis zu finden, indem es 15 gesunden Teilnehmenden im Alter von 18 bis 45 Jahren schrittweise höhere Dosen verabreicht.

RS: Wir freuen uns sehr, dass der Impfstoff einem ersten Teilnehmer verabreicht wurde. Das ist ein wichtiger Schritt für unseren Impfstoff, der noch nie am Menschen erprobt wurde.

Wir werden überrannt von Menschen, die bei den Tests mitmachen wollen, und verbringen viel mehr Zeit mit Leuten, die enttäuscht sind – entweder weil keine Versuchsplätze mehr frei sind oder weil sie die Zulassungskriterien nicht erfüllen – als mit der Studie selbst.

Das Imperial-Team wird weitere 300 gesunde Freiwillige (im Alter von 18 bis 75 Jahren) rekrutieren, um die optimale Dosis des Impfstoffs zu testen. Wenn der Impfstoff sicher ist und eine vielversprechende Immunreaktion auslöst, ist für Oktober eine Studie mit 6’000 Personen geplant.

RS: Wir müssen beurteilen, ob der Impfstoff das Immunsystem trainieren kann, sich gegen COVID-19 zu verteidigen. Wir warten gespannt darauf, dass wir sowohl die Sicherheit des Impfstoffs als auch seine Fähigkeit, neutralisierende Antikörper zu produzieren, beurteilen können. Dann kann der Impfstoff für mehr Menschen im Vereinigten Königreich und darüber hinaus zur Verfügung gestellt werden.

Anmerkung: Einen guten bildlich dargestellten Überblick über die Entwicklung eines Impfstoff und welche Testphasen er dabei durchlaufen muss findet sich in diesem externe Seite Beitrag von Interpharma, dem Verband der forschenden pharmazeutischen Firmen der Schweiz.

Wann können wir mit den Ergebnissen aus der letzten Testphase – Phase drei – von Moderna rechnen?

TZ: Unsere beste Schätzung ist, dass die Phase drei der Tests von Moderna diesen Monat beginnt und es darum gehen wird, die richtigen Leute zu impfen.

Wenn wir Menschen wie mich nehmen, die den ganzen Tag zu Hause sitzen und es vermeiden können, mit dem Virus in Kontakt zu kommen, wird sich niemand infizieren und wir werden nicht wissen, ob der Impfstoff wirkt.

Der Trick besteht also darin, Menschen zu impfen, die das Infektionsrisiko nicht vermeiden können, wie etwa Mitarbeitende des Gesundheitswesens. Ein Teil von ihnen wird, durch Pech, in den kommenden Monaten infiziert werden, und so hoffen wir, zeigen zu können, dass geimpfte Menschen, im Vergleich zu ungeimpften, die Krankheit nicht bekommen.

Wir werden die Fälle bis Ende dieses Jahres gezählt haben, vielleicht sogar schon bis Thanksgiving. Wir sollten also bis Mitte November einen Zwischenstand haben, der es uns ermöglicht zu sagen, ob dieser Impfstoff tatsächlich wirkt.

RS: Wenn wir unsere grosse Studie im Oktober in Grossbritannien durchführen, besteht eine grosse Herausforderung darin, ob wir genügend schnell genug Infektionen sehen, um vergleichen zu können, wie die geimpfte Gruppe im Vergleich zum Placebo abschneidet.

Wir versuchen, sie auch an einem anderen Ort auf der Welt durchzuführen, nur um diese Antwort schneller zu erhalten.

Anmerkung: Sechs Schweizer Universitätskliniken wollen sich an den Tests mit dem RNA-Impfstoff von Moderna beteiligen.  

Was sind die Risiken?

TZ: Wir denken seit Jahren darüber nach. Ich glaube nicht, dass es eine theoretische Besorgnis gibt, darüber dass die Boten-RNA eine Toxizität besitzt, die sich dann zeigt, wenn man sie als Impfstoff verwendet, im Gegensatz zu, sagen wir mal, wenn man sie als Medikament einsetzt, wie es andere tun.

Meine persönliche Überzeugung ist, dass es wahrscheinlich sicherer ist, weil man die Aufmerksamkeit des Immunsystems genau auf das richten kann, was erkannt werden soll.

Die zweite Komponente ist das Lipid-Nanopartikel, das neu ist. Ein Bestandteil des Lipids ist Cholesterin, das in winzigen Mengen vorhanden ist, und ein anderer ist ein von uns geschaffenes synthetisches Lipid, das innerhalb von Stunden abgebaut wird und bei dem wir bis heute keine signifikante Toxizität festgestellt haben.

Das dritte Element ist das Protein. In den 1960er-Jahren wurde das Konservierungsmittel Formalin zur Inaktivierung eines Virus, wie z.B. des Masernvirus, verwendet, und dies hatte eine chemische Wirkung auf die Proteine im Virus, wodurch die Immunreaktion verzerrt wurde und schlimmere Krankheitsverläufe ausgelöst wurden, anstatt die Krankheit zu verhindern.

Das Schöne an RNA-Impfstoffen ist, dass wir das Protein innerhalb unserer eigenen Zellen mit unseren eigenen Ribosomen übersetzen, sodass es für uns selbst physisch unmöglich ist, das falsche Protein herzustellen.

Es gibt auch die Sorge, dass man nicht weiss, was man nicht weiss. Vielleicht fokussiert man das Immunsystem zu stark, und das ist irgendwie schlecht. Aber in all unseren Studien, ob in präklinischen Modellen, in Tiermodellen oder in den ersten klinischen Studien, haben wir das typische Sicherheitsprofil eines Impfstoffs gesehen.

An der Stelle, an der unser Impfstoff injiziert wird, kann es ein wenig wehtun, vielleicht können auch leichte Rötungen, Schmerzen und Schwellungen auftreten. Wenn das Immunsystem aktiviert wird, kommt es eventuell kurzzeitig zu grippeähnlichen Symptome, Fieber und Kopfschmerzen, was für mich eigentlich ein Zeichen für eine gute, starke Immunaktivierung ist.

Ich hätte lieber einen Abend lang grippeähnliche Symptome als COVID-19, nicht wahr?

Anmerkung: Ein externe Seite Artikel über Hoffnungen und Risiko in Bezug auf genetische Impfstoffe kann in der Schweizerischen Ärztezeitung gelesen werden.  

Wird ein RNA-Impfstoff gegen neue Stämme von COVID-19 wirken?

RS: Was die SARS-CoV-2-Mutationen betrifft, so sehen wir keine Anzeichen dafür, dass sich das Virus sehr stark verändert, was sehr beruhigend ist.

Selbst wenn es sich ändert, können einige der Technologien, wie die, mit der wir arbeiten, leicht angepasst werden, um mit möglichen zukünftigen Veränderungen des Virus fertig zu werden.

Wie können wir sicher sein, dass jede und jeder von diesen Impfstoffen profitieren kann?

RS: Wir müssen darüber nachdenken, wie wir Impfstoffe nicht nur für das gesamte Vereinigte Königreich, sondern für die ganze Welt herstellen können.

Imperial hat in Partnerschaft mit Morningside Ventures ein soziales Unternehmen VacEquity Global Health (VGH) gegründet, um Impfstoffe rasch entwickeln und breit zu verteilen können, auch in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen.

Imperial und VGH werden auf Lizenzgebühren verzichten und nur bescheidene Selbstkostenpreise verlangen, um ihre Arbeit aufrechtzuerhalten, die weltweite Verteilung zu beschleunigen und neue Forschung zu unterstützen.

TZ: Das ist ein Erfolgselement, auf das man besonders achten sollte. Wir müssen sichergehen, dass wir mit den richtigen Leuten zusammenarbeiten, vor allem mit Regierungen, um sicherzustellen, dass diejenigen, die den Impfstoff am meisten benötigen, auch diejenigen sind, die ihn zuerst bekommen.

Ohne eine echte öffentlich-private Partnerschaft kann dies kein einzelnes Unternehmen erreichen.

Welche anderen RNA-Impfstoffe befinden sich in der Entwicklung?

Unter den anderen, in Entwicklung befindlichen RNA-Impfstoffen finden sich:

externe Seite CureVac, ein in Deutschland ansässiges Unternehmen, das sich auf mRNA-Impfstoffe spezialisiert hat, die ebenfalls Lipidpartikel verwenden, hat mit externe Seite klinischen Studien gegen SARS-CoV-2 begonnen.

Anmerkung: An der Universität Zürich externe Seite forscht einer der Mitbegründer von CureVac ebenfalls an RNA-Impfstoffen gegen COVID-19. Auskunft darüber, wie weit er in seiner Forschung fortgeschritten ist und weshalb er denkt, dass die Schweiz eine eigne Impfstofffabrik braucht, gibt er in diesem externe Seite Artikel des Beobachters.

Vorläufige Ergebnisse eines Versuchs mit einem RNA-Impfstoff von BioNTech und Pfizer, der die sogenannte SARS-CoV-2-Rezeptor-Bindungsdomäne (RBD) erzeugt, die sich während des Eintritts in ein Virus an die Rezeptoren auf den Wirtszellen bindet, zeigten externe Seite "positive Daten" bei 45 Probanden.

Sie berichteten nur über leichte bis mässige Reaktionen, signifikant erhöhte Antikörper und SARS-CoV-2 neutralisierende Antikörper.

Weitere Daten aus den laufenden klinischen Testphasen 1/2 von vier Impfstoffkandidaten werden die Auswahl eines Leitkandidaten und einer Dosisstufe für eine globale Phase 2b/3 ermöglichen, die bald beginnen könnte.

Wenn die Sicherheits- und Wirksamkeitsstudie erfolgreich ist und der Impfstoff die behördliche Zulassung erhält, rechnen die Unternehmen damit, bis Ende 2020 Millionen von Dosen und bis Ende 2021 möglicherweise mehr als 1.2 Milliarden Dosen herstellen zu können.

In Amerika arbeiten externe Seite Arcturus Therapeutics, das an RNA-Impfstoffen arbeitet, und Catalent, das eine fortschrittliche Herstellung anbietet, an LUNAR-COV19 – einem niedrig dosierten COVID-19-Impfstoff, der möglicherweise nur einmal geimpft werden muss.

In China arbeitet externe Seite CanSino Biologics zusammen mit Precision NanoSystems an einem mRNA-Impfstoff, der in Lipid-Nanopartikeln geliefert wird, und die externe Seite People's Liberation Army (PLA) Academy of Military Sciences arbeitet an einem weiteren Impfstoff mit Walvax Biotech.

Kann man mehr als einen Impfstoff verwenden?

RS: Ja. Zum Beispiel könnten der Prototyp des Impfstoffs der Universität Oxford/Astra Zeneca (auf Basis eines modifizierten Virus), der als erster in grossen Versuchen am Menschen getestet wird, und der Impfstoff von Imperial zusammen verwendet werden.

Wenn Sie zwei verschiedene Ansätze verwenden – einen, um das Immunsystem vorzubereiten, und dann zu einem anderen wechseln, um es anzukurbeln, erhalten Sie oft eine bessere Reaktion.

Welche anderen Faktoren beschäftigen Sie?

TZ: Wir leben in einem spaltenden Zeitalter. Zahlreiche Menschen haben viele Bedenken hinsichtlich der Sicherheit von Impfstoffen. Ich denke, diese Bedenken sind legitim, und sie stammen aus ehrlichen Quellen, wo die Menschen dieses Problem aus unterschiedlichen Blickwinkeln angehen.

Es obliegt uns allen in diesem Bereich, zuzuhören und diese Bedenken zu verstehen.

Letztendlich muss jeder für sich selbst entscheiden, ob er sich impfen lassen will. Aber wir müssen bereit sein, die Bedenken zu berücksichtigen, damit der Nutzen maximiert werden kann, wenn die Lösung da ist.

RS: Die externe Seite Impfgegnerschaft blendet wissenschaftliche Beweise aus. Bei der RNA-Technologie glauben einige Leute fälschlicherweise, dass wir eine Gentherapie durchführen, also dass wir die Gene der Menschen verändern.

Aber die RNA ist kurzlebig und hat keine Auswirkungen auf Ihre Chromosomen. Das ist ein Informationskampf, den wir lösen müssen. Ich vermute, dass diese Impfstoffe sicherer sein werden als jeder andere Impfstoff.

Wenn wir oder Moderna oder einer der anderen jedoch ein Anzeichen dafür bekommen, dass der Impfstoff funktioniert, werden die Menschen ihn lieber schnell in die Massenproduktion überführen wollen, anstatt ihn einige Jahre lang zu studieren, um Daten zur Sicherheit zu sammeln. Zu diesem Zeitpunkt werden wir wie Helden aussehen.

In fünf Jahren jedoch, wenn der Impfstoff bei 10 Millionen oder Hunderten von Millionen Menschen eingesetzt wurde, werden einige von ihnen unerwünschte Reaktionen zeigen, oder es passiert etwas mit ihnen, das sie mit dem Impfstoff in Verbindung bringen.

Ob es durch den Impfstoff verursacht wird oder nicht, man kann sehr schnell vom Helden zum Schurken werden.

Wie kann ich mehr erfahren?

Das jüngste Bild, wie weit sich die Pandemie ausgebreitet hat, ist auf den Webseiten des externe Seite Johns Hopkins Coronavirus Resource Center oder dem externe Seite Robert Koch-Institut zu sehen.

Sie können die Zahl der externe Seite im Labor bestätigten COVID-19-Fälle und Todesfälle im Vereinigten Königreich sowie die Zahlen des externe Seite Office of National Statistics einsehen.

Weitere Informationen finden Sie in meinen früheren Blogeinträgen, beim externe Seite UKRI, bei der externe Seite EU, den externe Seite US Centers for Disease Control, der externe Seite WHO, auf diesem externe Seite COVID-19-Portal und auf externe Seite Our World in Data.

Anmerkung:

Neuigkeiten Schweiz

Die momentane Anzahl der Coronavirus-Fälle in der Schweiz kann auf der externe Seite Webseite des Bundesamts für Gesundheit abgerufen werden. Auch die Webseite des Schweizer Radio und Fernsehens (SRF) bietet eine gute und laufend aktualisierte externe Seite Übersicht zu diversen Daten, externe Seite Antworten auf die häufigsten Fragen im Zusammenhang mit COVID-19 sowie externe Seite das Neuste zur Coronakrise.

Die SwissCovid App, über deren Funktionsweise und Entwicklung im Artikel 8 verschiedene Anmerkungen und weiterführende Links zu finden sind, kann nun für externe Seite Android und externe Seite iPhones heruntergeladen werden. Während die App externe Seite Anfang Juli bereits von über einer Million Menschen aktiv genutzt wurde, sank die Anzahl aktiver Nutzungen ab Ende der zweiten Juliwoche auf rund 946'000 am 17. Juli 2020. Als Grund dafür wird unter anderem die externe Seite fehlende Kompatibilität der SwissCovid App mit deren anderer europäischer Länder im Zusammenhang mit dem Sommerferienbeginn vermutet. Mehr Informationen rund um die App finden sich in diesem externe Seite Artikel von SRF und diesem ständig aktualisierten externe Seite NZZ-Artikel.

 

JavaScript wurde auf Ihrem Browser deaktiviert